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Brazil


| 1985 | 20th Century Fox / Universal Pictures |

Wie man aus einer "Mücke einen Elefanten" machen kann, zeigt Terry Gilliam hier in einem düsteren Zukunftsszenario, dass überwiegend aus Verwaltungssystemen und Informations- Wiederbeschaffung besteht. Es passiert eigentlich garnicht viel in einen der vielen kleinen Büros, ausser das ein Mitarbeiter von einer Fliege genervt wird. Doch mit der Vernichtung dieser Fliege, die sodann in einer der "Informations- Wiederbeschaffungs- Maschinen" landet, beginnt das Dilemma. Versehentlich wird ein harmloser Familienvater mit Namen "Buttle", statt der vorherige ausgedruckte und gesuchte "Tuttle", von der Behörde festgenommen. Doch der aufmerksame Sam Lowrey, ebenfalls Mitarbeiter bei der Informations- Beschaffungsbehörde, stellt diese Verwechslung fest und versucht den Fehler wieder zu beheben, was nicht gerade einfach zu sein scheint. Sam Lowrey verstrickt sich dabei immer mehr in unsaubere Machenschaften, um diesen kleinen Faupas für seine Behörde wieder auszubügeln. Dabei kommt ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt auch noch eine Frau ins Spiel, die sich offenbar mehr als über diese Verwaltungsapparate ärgert. Sam Lowrey verliebt sich unsterblich in "Jill Layton". Zwischen Alptraum und Realität wandert nun der Informations- Wiederbeschaffungs- Mitarbeiter hin und her und versucht gleichzeitig das Herz von Jill zu gewinnen als auch den rebellischen und tatsächlich gesuchten "Harry Tuttle" ausfindig zu machen. Für Lowrey stellt sich schmerzlich heraus, dass man seine Existenz nicht nur mit Verwaltung und fester Behördenplanung leben kann.



Terry Gilliam weiss wie man "ganz anderes" Kino hervorzaubert. Mit Brazil schafft er es zum zweiten mal einen recht anspruchsvollen Film ohne die nicht mehr existierende Python Truppe zu machen. Der vorher von ihm inszenierte Film Time Bandits war bereits ein ziemlich grosser Erfolg. Daran wollte Gilliam vermutlich anknüpfen und lies den Film Brazil ebenfalls in England produzieren. Mit der Inszenierung dieses Filmspektakels erfüllte sich der Regisseur übrigens einen langjährigen Traum. Schon immer verfolgte Terry Gilliam das Thema des festgefahrenen Behördendenkens. Eine Art Schubladensystem, indem jede Person einfach eingeordnet bzw. untergeordnet wird, ohne dabei das individuelle in jeder Person zu sehen oder erkennen. Mehr als einmal scheiterte offensichtlich Gilliam selber häufig an einem solchen Behördensystem, dass letztendlich die eigene Freiheit mehr als auf das notwendigste reduziert. Und später verfolgte ihn diese Problematik mit dem Film 12 Monkeys ganz besonders. Denn er lies diesen Film in den USA produzieren, was er im Anschluss mehr als bereut hat. Denn hier kam neben einem festgelegten System zusätzlich die Macht der grossen Filmfirmen hinzu, gegen die er kaum etwas ausrichten konnte.



Doch zurück zum Film Brazil der auf eine seltsame Art und Weise die bereits oben erwähnte Problematik in einer Geschichte erzählt mit teilweise surrealen Bildgewalt. Es ist sicherlich keine Abrechnung mit irgendeinem festgelegtem Gesellschaftssystem, sondern vielmehr ein Mahnmahl und letztendlich auch nur ein Film mit hohen Unterhaltungswert. Dabei ist die Story nicht auf anhieb sofort zu verstehen. Der Zuschauer wird während der gesamten Filmlaufzeit durchaus schonmal geistig gefordert. Brazil gehört im Grunde genommen nicht unbedingt in eine bestimmte und einzelne Filmkategorie. In der Story und den Bilder stecken ein wenig Drama dahinter und ebenso sind recht viele Fantasyelemente darin enthalten. Und nicht zu vergessen spürt man hier immernoch eine recht starke Präsenz der bekannten Monty Python Komik, die zuweilen als pechschwarzer Humor galt. Der Streifen bietet mit dem Filmende ein grosses Potential an Diskussionsstoff, da nicht unbedingt zu erkennen ist, dass es sich um einen endgültigen und guten Abschluss handelt. Empfehlenswert ist Brazil eher für die Zuschauer, die nicht unbedingt immer nur auf typische und kommerzielle Hollywoodfilme mit viel Action und ein abschliessendes Happy End stehen.



Vom Bild und Ton her gibt es kaum etwas zu bemängeln. Das es ein recht alter Film ist, bemerkt man durchaus sehr schnell. Ein wenig sind in dunklen Szenen leichte "Unreinheiten" zu erkennen und ein bisschen Unschärfe kommt gelegentlich schon mal vor. Der Stereoton ist natürlich für die analoge HiFi- Anlage ideal, dennoch werden Dolby Digital Freunde sicherlich genauso ihre Freude am gut umgesetzten Sound auf DVD haben.
Entgegen dem Coveraufdruck, wo der Film mit einer Lauflänge von 124 Minuten Lauflänge angegeben ist, stimmt so überhaupt nicht. Brazil läuft in der Tatsache original und ungekürzt mit 137 Minuten auf DVD. Die Endszene lässt keinen Schnitt vermissen eine damals für das (deutsche) Fernsehen entfernte längere Traumszene befindet sich in kompletter Version auf DVD. Zusätzlich gibt es einige kleinere Features neben dem Film. Unter anderem ein Interview mit Terry Gilliam und die Auflösung warum der Film so heisst wie er heisst, es aber nicht unbedingt ist. Anschauen - ein wirklicher Geheimtipp. Auf BluRay ist der Film ebenfalls erhältlich


Original Titel

Brazil

Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Terry Gilliam, Frank Gill Jr., Laura Kerr, Charles McKeown, Tom Stoppard
Produzent: Arnon Milchan, Robert North
Musik: Michael Kamen, Walter Scharf

Darsteller

Jonathan Pryce (Sam Lowrey), Robert De Niro (Harry Tuttle), Michael Palin (Jack Lint), Kim Greist (Jill Layton), Katherine Helmond (Ida Lowrey), Ian Holm (Kurtzman), Ian Richardson (Warren), Peter Vaughan (Eugen Helpmann), Bob Hoskins (Spoor), Derrick O´Connor (Dawson), Charles McKeown (Lime)

Ton und Bildaten

    

  

  

DVD Daten

137 Minuten
(Angabe von 124 Min. auf dem Cover ist falsch)

1 DVD

20 Kapitel


Sprachen:   

Untertitel:  

Deutsch für Hörgeschädigte


Genre: Satire/Komödie


Bewertung: